Woher nehmen?

Das ist natürlich erstmal ein gesellschaftlich sehr trauriges Thema. Denn trotz der ausgezeichneten medizinischen Möglichkeiten in Deutschland ist die Warteliste der Patienten die auf eine Spenderniere warten extrem lang. Aktuell liegt die durchschnittliche Wartezeit bei ca. 8 Jahren mit der Tendenz das es immer länger dauert. Eine Ursache ist einfach die geringe Bereitschaft zur Organspende bzw. die aus meiner Sicht ungeschickte Entscheidungslösung. Ich finde es ja gut, dass sich jeder entscheiden kann/muss/soll, ob er bereit ist ein Organ zu spenden oder nicht. Wenn aber aktiv keine Entscheidung getroffen wurde (Faulheit, Ignoranz usw.) sollte aus meiner Sicht die Bereitschaft zur Organspende angenommen werden und nicht umgekehrt (so wie es jetzt der Fall ist).
Ein noch traurigeres Detail dabei ist, dass die Warteliste nicht so stark wächst wie die Anzahl der zur Verfügung stehenden Organe sinkt. Das liegt daran, dass viele innerhalb der Wartezeit sterben.

Aber es ist wie es ist und für mich würde es bedeuten, dass ich nach der Nierenentfernung ca. 8 Jahre auf eine Spenderniere warten müsste. Die Wartezeit müsste mit der Dialyse als Nierenersatztherapie überbrückt werden (3-mal die Woche mit bis zu 8 Stunden Dauer).

Da aber geplant ist dieses Jahr mit der zweiten Nierenentfernung gleichzeitig die Transplantation durchzuführen muss es wohl noch eine andere Möglichkeit geben, die Lebendspende.

Der Haken bei der Lebendspende ist, dass jemand bereit sein muss seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen, um jemanden anderen zu helfen (und das ganze auch noch freiwillig und für lau – so will es das Gesetz).
Dieses größte Geschenk, das einem gemacht werden kann, will mir Karen geben.
Karen wird also “parallel” zu meiner zweiten OP eine ihrer Nieren entfernt und diese dann mir transplantiert.
Neben dem reinen Willen, das zu tun, musste auch noch die medizinische Machbarkeit geprüft werden. Dazu musste Karen im Mai für 3 Tage in die Klinik, um sich im wahrsten Sinne des Wortes auf “Herz und Nieren” prüfen zu lassen. Zusätzlich wurde auch noch die Kompatibilität zwischen uns beiden geprüft bzw. unserer Gewebemerkmale.

Die Lebendspende ist der zweite Grund warum präemptiv operiert wird. Denn es hat sich gezeigt, dass die Erfolgsaussichten von präemptiv durchgeführten Transplantationen höher ist. Obwohl streng betrachtet bei mir gar nicht präemptiv transplantiert wird. Aller voraussicht muss ich die Zeit zwischen den beiden OPs mit der Dialyse überbrücken. Da diese Zeit aber möglichst kurz gehalten wird ist es schon “so gut wie” präemptiv.
Echt präemptiv wäre wenn bei der ersten OP transplantiert würde, diese Variante wurde aber aufgrund der massiven Zystennieren verworfen. Das Risiko, dass die zweite Zystenniere das Transplantat gefährdet wäre zu groß.

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